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Dienstag, 17.09.2019

Neue Unterrichts- und Lernformen für die Oberschule "Lernhaus im Campus"

© M. Wrieden

Die Kinder des 7. Jahrgangs der Oberschule Lernhaus im Campus verlassen nach einem Block von 1,5 Unterrichtsstunden, dem Input, den Raum und wechseln in eine Art "Großraumbüro" mit vielen, persönlich gestalteten Arbeitsplätzen. Sie nehmen Aufgabenblätter zur Hand, ihre Stifte und machen sich daran, Aufgaben zu bearbeiten. Das Ganze passiert eigenverantwortlich und selbstständig. Die Lehrerin, neu als Mentorin bezeichnet, nimmt inmitten der Schülerarbeitsplätze ebenfalls ihren Schreibtisch ein und beobachtet das Arbeiten der Schülerinnen und Schüler.

Diese Szene ist in der Oberschule in Osterholz-Scharmbeck mittlerweile normaler Schulalltag und bietet dem Betrachter ein grundlegend verändertes Bild von Lernen und Lehren und eine ganz neue Raumstruktur. Die neue Schulform hat sich wegbewegt vom lehrerzentrierten Frontalunterricht. Dieser findet lediglich in zeitlich festgelegten und sogenannten Input-Phasen statt. Hierbei ist alles "wie früher". Die Lehrperson steht vor einer Schulklasse, schreibt an einer Tafel oder an einem Whiteboard und leitet die Lernenden an. Die SchülerInnen arbeiten einzeln oder in kleinen Gruppen und die Kommunikation findet vorrangig zwischen Lehrer und Schüler statt. Im Anschluss gehen die Kinder an ihre persönlichen Arbeitsplätze in den "Lernlandschaften". Jeder hat einen eigenen Arbeitsplatz. Schlüsselkompetenzen wie Selbstständigkeit, Selbstkoordination und -organisation, Zeitmanagement, Teamfähigkeit, Selbstkompetenz oder auch Kreativität spielen im neuen Schulalltag eine zentrale Rolle. Die SchülerInnen erledigen Aufgaben nicht mehr nur vorstrukturiert vom Lehrer, sondern arbeiten selbstständig auf das gemeinsame Ziel hin: am Ende sollen zwar alle Aufgaben gelöst und bearbeitet sein, den Weg dahin strukturiert und organisiert das Kind allerdings weitestgehend in Eigenverantwortung. Es setzt sich zu Beginn Ziele, was es schaffen möchte und muss und arbeitet dann daraufhin. Der Austausch untereinander darf stattfinden und kleine Gespräche im Team sind erlaubt. Doch darf die Kommunikation die Arbeitsatmosphäre der anderen im Raum nicht beeinträchtigen und die Mentoren oder die pädagogischen Mitabreiter überwachen den Ablauf natürlich. Für Fragen und Probleme bleiben sie selbstverständlich für jeden der Lernenden permanent ansprechbar und helfen bei Unklarheiten weiter. Der Lehrer ist mehr und mehr zu einem Lernbegleiter bzw. individuellem Berater geworden, statt ausführende und anleitende Person zu sein. In Sachen Beziehungsarbeit wird im Lernhaus sehr viel geleistet und die Beziehung zwischen Lerhern und Schülern präsentiert sich in einem völlig neuen Licht.

Input
Lernlandschaft
Input
Lernlandschaft

Die Lernlandschaften im Lernhaus sind großzügig angelegt und ansprechend gestaltet. Die Gruppen des Jahrgangs 7 sind mit Kontinenten betitelt, des Jahrgangs 6 mit den vier Elementen und die Gruppen des 5. Jahrgangs lernen als Planeten. Die bekannten Bezeichnungen wie Klasse 5a oder Klasse 7c sind bildhaften Bezeichnungen gewichen und vermitteln den Kindern etwas persönliches und eine gewisse Identität, zu der sie gehören. Die gesamte Entwicklung hin zum Lernen in Lernlandschaften, hin zu selbstständigem Lernen mit veränderter Lehrerrolle ist ein Prozess, der gut strukturiert und umgesetzt werden will. Um diesen Prozess optimal zu gestalten, werden im Rahmen des Comenius Regio-Projekts Richtlinien erarbeitet, Vergleiche angestellt zu Schulen, in diesem Fall der Sekundarschule Bürglen, wo seit 2006 das Lernen in Lernlandschaften erfolgreich implementiert ist. Aufbauend auf vorhandenen Ressourcen und mit den Anregungen anderer Schulen wurde und wird die neue Unterrichtsform Schritt für Schritt angepasst und im Lernhaus eingeführt.

Lernlandschaft Bürglen
Lernlandschaft Osterholz-Scharmbeck